Rakiura GW Tag 2

  • Beitrags-Kategorie:Neuseeland
  • Beitrags-Autor:

Hier geht es zum Tag 1.

Der zweite Tag startet früh und ist auch schon gleich eine Geduldsprobe. Durch die Zeltstangen-Elemente führt eine Gummischnur, damit die Elemente beieinander bleiben. Obwohl bereits nachgespannt, ist die Gummischnur schon wieder ausgeleiert. So stark, dass sich das Endstück irgendwie verhedert und die Stange nicht mehr aus dem Zelt kommt. Nach rund 30min. versuchen, das Ding da raus zu bekommen, wird das Problem erfolgreich mit dem Messer gelöst. Der gekürzte Gummi wird wieder zusammengeknotet und darf sich morgen beweisen. Es ist nicht mehr so früh.

Die Wanderung geht los. Berg auf. Die Rucksäcke ziehen runter. Die sind zu schwer, auf der nächsten Wanderung müssen wir optimieren. Wir tragen aber auch vier Liter Wasser mit. Keine sichere Möglichkeit, unterwegs Wasser nachzufüllen. Und eine Termoskanne – leer. Danke, innerer Schweinehund, für diesen kostbaren „Man könnte sie ja mal brauchen“-Beitrag.

Wir wandern und wandern. Die heutige Etappe ist bekannt dafür, dass es Abschnitte mit Knie-tiefem Schlamm geben kann. Es ist allerdings schon eine Weile trocken. Der Schlamm ist präsent, hält sich aber in Grenzen. Die Wanderstöcke helfen. Mal schwingt man sich seitwärts an einem Baum am Schlamm vorbei. Um stacheliges Gestrüpp oder fiese Insekten muss man sich hier keine Gedanken machen. Und wieder hilft ein Bäumchen: Swingby links, nochmals Swingby links, gefolgt von einem Swingby rechts – MoNsTeR-SwInGbY, diese Kombo gibt Extrapunkte! Wenn bloss der schwere Rucksack nicht wäre. Trinkpause, um Gewicht zu reduzieren.

Nichts für die Sonntagsschuhe

Es kommen Brücken. Hilfreich, um sich auf der Karte mit gefühltem Massstab von 1:1 Mio. zu orientieren. Der Weg ist eindeutig, wie weit es noch ist, jedoch nicht. Wir zählen die Brücken, die An- und Abstiege. Bald geschafft. Wobei, dieser Anstieg dürfte hier nicht sein. Okey, finaler Abstieg zur North Arm Campsite. Mist, es geht wieder hoch. Wie weit noch?! Ich gebe „Miley Cyrus – The Climb“ zum besten. Den Text kenne ich nicht wirklich. Singen kann ich auch nicht wirklich. Und dieser Rucksack… Es wird noch einige Male hoch und runter gehen, bis wir die Campsite erreichen. Der Kartograph liess der Fantasie wohl freien Lauf. Aber wir haben es schliesslich geschafft. Nach sechs Stunden und „vom Wandern gesättigt“ wird das Zelt aufgebaut und das Abendessen, Beef Stroganoff 4/5*, zubereitet. Wir müssen die Rucksäcke optimieren. Der Wanderweg ist aber grandios.

Heute Nacht wird wieder nach Kiwis gesucht. Wonach genau ich suche, weiss ich allerdings nicht. Erst mal auf Geräusche achten. Davon gibt es viele. Opossums gibt es auch viele. Nachts durch den Wald schleichen. Was mache ich, wenn die Stirnlampe ausfällt? Dann habe ich noch das Smartphone, weiter denken möchte ich nicht. Nach einigen letzten Versuchen gebe ich um 23:30 auf. Bei Wildlife hat man nie eine Garantie. Noch schnell auf das Klo. Direkt daneben raschelt es. Und da ist er, ein kleiner Kiwi. Auch er bemerkt mich und verschwindet im Wald.

Tag 2, 12-16°C, bewölkt, 13km, 624m Anstieg, 06:05h

Details
2023-02-26 Rakiura 2