Auf Rakiura stehen die Chancen gut, Kiwis zu sehen. Deshalb geht es abends nochmals raus. Mit Rotlicht suchen wir die nachtaktiven, flugunfähigen Vögel. Wir sind nicht die Einzigen. Wie Zombis schleichen die Leute mit ihren roten Lichtern umher. Die geflüsterten Gespräche halten sich kurz.
- Did you see one?
- No, what about you?
- Me neither…
Die zwei Stunden sind fast voll, wir hören auf. „Komm nicht nach Rakiura um Kiwis zu suchen. Wer sie sucht, findet sie nicht.“
Die Insel ist hügelig mit steilen An- und Abstiegen. Wir machen uns auf den Weg zur Unterkunft – natürlich auf einem anderen Hügel. Da bewegt sich etwas. Es bewegt sich auf uns zu. Ein Kiwi! Während rund 15min. leisten wir dem „Huhn“ Gesellschaft. Er überlegt sich sogar, an unseren Schuhen zu picken. So nah! Wir bleiben bei Rotlicht, um den Kiwi nicht zu stören. Und dann fällt uns etwas Anderes auf…

Hinter dem Kiwi fällt uns ein Beam im Himmel auf. Light Pillar, häufig durch Lichtverschmutzung verursacht. Lichtverschmutzung hier? Er wird grösser, es kommen mehr dazu. Die Aurora Australis ist wieder da. Und ich habe ein nicht geeignetes Objektiv an der Kamera und kein Stativ. Die Intensität der Aurora nimmt zu, von Auge problemlos sichtbar, auch Farbe. Ein Foto aus der Hand.

Wie war das mit den Hügeln? Wo ist unsere Unterkunft? Wir entscheiden uns für einen Sprint. Der ganze südliche Himmel ist nun in Bewegung, dann auch über uns. Unterkunft, Objektivwechsel, Stativ, wieder raus. Unsere Position ist nicht optimal, Bäume versperren die Sicht. Observation Rock wäre gut. Das bedeutet ordentlich Höhenmeter – runter und rauf. Die Aurora pulsiert, das Plasma schiesst von Süden her über den Himmel. Leider kann es meine Kamera nicht filmen – von Auge sieht man mehr.
Die Fotos offenbaren viel mehr Farben. Die Verschlusszeiten müssen aber kurz gehalten werden, der Flux macht ordentlich Tempo. Wir sind auf dem Hügel angekommen. Die Aurora ist noch immer aktiv, nun aber in höherer Höhe – Grün dominiert, nicht mehr Pink. Die Partikel reagieren nun weniger mit N2, dafür mehr mit O. Was passiert als nächstes? Keine Ahnung – kein Internet, keine Messwerte, Aurora in diesem Stil noch nicht erlebt. Wir entscheiden uns für etwas Schlaf, in 7h klingelt der Wecker. Zuerst aber wieder runter vom Berg, um auf den nächsten wieder hochzusteigen…
Das Bett ist toll.





