Whanganui River Journey Great Walk Tag 2/3
Wir stellen den Wecker einmal mehr früh. Einmal mehr ist er nicht nötig. In der Hütte gibt es nur ein Zimmer für 26 Betten. Legt einer los, wachen die anderen auf. Wach war ich auch so, die Nacht war nicht besonders erholsam. Als erstes schaue ich nach, ob unser Kanu noch da ist. Ist es. Jetzt gibt’s Frühstück. Die empfohlene Abfahrtszeit ist 08:00, man wird rund sechs Stunden paddeln müssen. Wir packen wieder alles in unsere vier Tonnen und schleppen sie die rund 300m zum Kanu. Überraschend einfach kommen wir aus dem Bulk von Kanus raus und paddeln los.

Den Muskeln geht es gut, wir spüren kaum etwas von gestern. Und so paddeln wir. Ab und zu machen wir Jetboats Platz. Statt einer Schraube haben die Boote eine Düse. Durch ihre breite, flache Bauweise verdrängen sie kaum Wasser, können beinahe an Ort und Stelle wenden (die schnelle Drehung bei voller Fahrt ist ein Muss bei den Touris) und können auch durch seichte Gewässer fahren. Fahren sie schnell, fliegen sie schon fast über das Wasser und erzeugen wenig Wellen. Uns wurde deshalb geraten, ihnen Platz zu machen und das Kanu in einem 90° Winkel zu den Jetboats zu stellen. Dadurch fahren sie schnell vorbei und es gibt nur wenige, kleine Wellen.

Dank besten Navigationskünsten finden wir den Ausstieg zur Bridge to Nowhere. Die Brücke verbindet die Stelle mit einem Dorf. Der Weg wird von Wanderern und Bikern genutzt. Sie werden mit einem Jetboat hin gebracht oder abgeholt. Den Namen hat die Brücke in Anlehnung an die Bridge to Somewhere bekommen. Da sie im Wald steht, sieht es auch so aus, als ob sie niergends hin führt. 40 Meter unter der Brücke schwimmen Aale, sie sind den Maori heilig.

Es geht weiter, bis wir zu unserem letzten Stopp mit Übernachtung kommen. Da die DOC Hütte ausgebucht war, mussten wir zum Plan B greifen. Normalerweise bedeutet das Campsite. In diesem Fall aber haben wir uns in die Bridge to Nowhere Lodge eingebucht. Ein eigenes Zimmer, ein richtiges Bett und Duschen. Ein ganz anderes Erlebnis 😊 Wir müssen es uns aber mit ein paar Höhenmetern verdienen.
Nach dem Abendessen wasche ich mein Besteck und den Teller in der Küche ab. Es kommt eine Mountain Bike Gruppe. Die Männer verschwinden zum Grill, die Frauen umzingeln mich in der Küche. Es folgen die üblichen Fragen.
Wie lange bist du schon hier?
Wie lange bleibst du noch?
Was hast du bereits gemacht und was ist noch geplant?
Woher kommst du?
Nichts Neues, dieses Mal schiessen die Fragen aber von allen Seiten und Schlag auf Schlag auf mich ein. Nach zehn Minuten habe ich mich zur Schublade gekämpft und das Besteck versorgt. Den Teller habe ich noch immer in der Hand. Nach weiteren Minuten kommt eine zusätzliche Dame, die meine Pläne schon kennt.
I’ve met your partner 😅
Ich bin also nicht der Einzige, der ausgequetscht wird. Schliesslich stehen wir alle zusammen in der Küche. Ich erwähne, dass ich eigentlich nur noch den Teller versorgen wollte. Zu spät, es liegt nun eine Wurst drauf. Vom anderen Essen dürfte ich mich auch bedienen, es ist sowieso zu viel. Aber zur Wurst gehört auf jeden Fall Tomato Sauce. Aha, Ketchup, wie sie es in Amerika nennen. Nach einer Weile mache ich erneut den Abwasch und wünsche eine gute Nacht.
John Coull Hut Bridge to Nowhere Lodge, bewölkt, 32.6km, 4:25












